Vorhang auf für das neue RED

Nach seiner dreijährigen Kernsanierung und inhaltlichen Neuaufstellung möchte das Restaurierungszentrum Düsseldorf nun die Erhaltung und Erforschung des Düsseldorfer Kulturerbes in die Öffentlichkeit tragen.

Von
Joanna Phillips

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Am 21. September 2023 ist es soweit und das Restaurierungszentrum Düsseldorf (RED) eröffnet seine traditionsreichen Labore und Werkstätten am Düsseldorfer Ehrenhof nach dreijähriger Sanierung und jahrzehntelangem Teil-Leerstand. Das ist nicht nur ein großer Moment für alle Mitarbeitenden des RED, sondern auch für die zwölf Düsseldorfer Museen und Archive, deren Sammlungen das Institut konservatorisch und restauratorisch betreut. Mit der umfangreichen Sanierung wurde nicht nur der historische Gebäudetrakt statisch ertüchtigt und die Haustechnik komplett erneuert, auch die Ausstattung und technische Infrastruktur der Labore und Werkstätten wurde um viele neue Funktionen erweitert und auf einen zukunftsweisenden Stand gebracht.

Die Erneuerung des RED beschränkt sich aber nicht auf die Instandsetzung der physischen Wirkungsstätte. Bei der intensiven Auseinandersetzung mit den idealen Arbeitsbedingungen für die Erforschung, Erhaltung und Aktivierung unseres Kulturerbes haben wir auch unsere Arbeitsprozesse in den Blick genommen und eine weitgreifende Digitalisierung implementiert. Dazu gehörte das Scannen und Archivieren von über 8000 Objektakten, die Erweiterung unserer analogen Bibliothek um eine digitale Literaturverwaltung, die Implementierung einer digitalen Bildbearbeitungsstrecke mit Highspeed-Daten-Anbindung an einen neuen, gekühlten Serverraum und den Einbau einer modernen Konferenz- und Eventtechnik, die uns intern und extern vernetzt arbeiten lässt. 

Im Zuge der Neuaufstellung haben wir auch vier neue Bereiche gegründet, die wegweisend für die Nachhaltigkeit unserer Arbeit mit dem Düsseldorfer Kulturerbe sind: Entwicklung und Fundraising, Kommunikation und Vermittlung, ein kunsttechnologisches Archiv, sowie den neuen Fachbereich Medienkunstrestaurierung, damit auch das reiche audiovisuelle Kulturerbe der Stadt nicht von einer konservatorischen Betreuung ausgenommen bleibt. 

Rückgewinnung des zentralen Standortes Ehrenhof

Das RED ist mit seinen Werkstätten seit seiner Gründung 1977 am Düsseldorfer Ehrenhof in einem Flügel des Kunstpalasts beheimatet und betreut von hier aus die Sammlungen der Landeshauptstadt. Im Rahmen einer Sanierungsmaßnahme zwischen 1998 und 2001 wurden die Kernwerkstätten jedoch für über 20 Jahre unbenutzbar, u.a. weil die historische Bausubstanz über kein Fundament verfügte und dadurch das große Gewicht einer neu eingebauten Klimaanlage nicht abfangen konnte. Um einen Einsturz zu verhindern, wurden 2009 Notstützen eingezogen, und die Werkstätten des RED blieben in provisorischen Räumlichkeiten der damaligen Volkshochschule Franklinstraße ausgelagert. Erst viele Jahre später gelang es, den zentralen Standort am Ehrenhof zurückzugewinnen. Die Landeshauptstadt war auf der Suche nach einem neuen Ort für die ausgelagerten RED-Werkstätten, weil sie das VHS-Gebäude verkaufen wollte. Die umfangreiche Generalsanierung des Kunstpalasts war bereits in Planung, und am 6. Februar 2020 beschloss der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf auch die Wiederherstellung der Restaurierungswerkstätten am Ehrenhof. Dabei wurde die Instandsetzung des RED nicht nur auf die statische Ertüchtigung des Gebäudes beschränkt, sondern sollte auch neue  Anforderungen an die Infrastruktur und Ausstattung berücksichtigen, die ein zeitgemäßes und zukunftsfähiges Institut mit sich brachte. So konnten zwischen 2020 und 2023 unter der Bauherrschaft des Kunstpalastes und Finanzierung der Landeshauptstadt Fundamente eingebracht und Notstützen entfernt werden, eine Klima- und Lüftungsanlage mit Gefahrstoffabsaugung eingebaut sowie Licht-, Elektro- und Sanitäranlagen installiert werden. In enger Zusammenarbeit mit den Architekten haben die RED-Mitarbeitenden Wände identifiziert, durch deren Abriss aus über 150m² Verkehrsflächen und Fluren zusätzliche Werkstattflächen entstehen konnten. Heute erstrecken sich die Labore und Werkstätten des RED auf rund 1000m² am alten, neuen Standort Ehrenhof. 

Neue Möglichkeiten durch neue Ausstattung

Die spezialisierte, technische Neuausstattung der Labore und Werkstätten erforderte eine detaillierte Fachplanung. In interdisziplinären Arbeitsgruppen haben wir im RED-Team gemeinsam ideale Arbeitsplätze für unseren Umgang mit Kulturgut entwickelt und auf diese Weise die Ausstattung von sieben Fachwerkstätten, einem strahlengeschützten Röntgenraum, einem Foto- und Untersuchungsraum, einem Serverraum, einer Bibliothek, einem Gefahrstoffraum, einem Konferenzraum und einem kunsttechnologischen Archiv konzipiert und realisiert. Die Arbeitsgruppen haben sich im Detail mit unseren Anforderungen sowie potentiellen Produkten, Herstellern und Angeboten auseinandergesetzt. Wo der Markt keine passenden Produkte anbieten konnte, haben wir in enger Zusammenarbeit mit den Architekten oder Fachfirmen selbst Lösungen entwickelt, wie zum Beispiel eine Wässerungsstrecke in der Papierrestaurierung oder eine elektrische Hubstaffelei für den Foto- und Untersuchungsraum, die auch schwere Tafelgemälde per Fernbedienung erschütterungsfrei in exakte Positionen verfahren kann. Für die aufwändige Geräteausstattung des neuen Medienlabors konnten wir Drittmilttel vom Land NRW gewinnen.       

Sichtbarwerdung einer unsichtbaren Disziplin

Die restauratorische und kunsttechnologische Auseinandersetzung mit Kulturerbe findet meist hinter den Kulissen von Museen und Sammlungen statt und entzieht sich dem Zugang der Öffentlichkeit. Wenn Geschichten über die zweifelhafte Provenienz eines Objektes in die Presse finden, oder sensationelle Erkenntnisse zu übermalten Szenen oder versteckten Signaturen publik werden, so sind es selten die Restaurarator:innen selbst, die über ihren Fund berichten. Auch wenn progressive Museen die Interdisziplinarität ihrer  wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Sammlungsobjekten öffentlich deklarieren und transportieren, ist dieses Verständnis an vielen Häusern noch unterentwickelt und die Narrative zu Objekten wird in der Regel monodisziplinär ohne kunsttechnologische Perspektive gebildet. 

Am RED wollen wir Objektgeschichten anreichern, indem wir selbst über unsere Arbeit sprechen. Wir wollen zeigen, wie wir Werkspuren lesen, künstlerische Techniken und Vorgehensweisen identifizieren, und wie wir die künstlerische Wahl von Materialien und Techniken nachvollziehen. Wir sehen das Potential der Konservierung und Kunsttechnologie, zu einem tieferen Werkverständnis beizutragen und damit in der Öffentlichkeit eine Wertschätzung unseres Kulturerbes zu fördern. Die dinghafte Materialität und Medialität von Kunstobjekten zu verstehen, gerade in der digitalen Gegenwart, die das Immaterielle sucht, ist aus unserer Sicht ein Schlüssel für ein gesellschaftliches Investment in die Erhaltung des Kulturerbes. 

Neuer Auftritt, neue Identität

Zur Stärkung unserer Sichtbarkeit und Kommunikation haben wir nun im Rahmen eines großzügigen Pro-Bono-Projekts der Designagentur KMS-TEAM auch unsere visuelle Sprache gefunden - so wurde aus dem alten RZ das neue Akronym RED, das zu unserer Wortmarke geworden ist. Unsere neue Markenfarbe Cyan, als Komplementärfarbe von RED (=rot), verdeutlicht, dass wir Restaurator:innen mit Hilfe naturwissenschaftlicher Untersuchungsmethoden die Kunstwerke durchdringen und oft ganz anders sehen als herkömmliche Kunstbetrachter:innen.